Forschungs-Kooperation des Freien Instituts TPSA mit Hochschulen
Gemeinwesenarbeit im deutschsprachigen Raum
Ein Forschungsbericht zu Finanzierungsformen, Trägerschaft und Vorkommen von GWA.
Maren Schreier, OST – Ostschweizer Fachhochschule, St. Gallen
Oliver Fehren, Alice Salomon Hochschule Berlin
Edi Martin, Freies Institut für Theorie und Praxis sozialer Arbeit e.V.
Im Rahmen der Sektion GWA der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit, der
auch Personen aus der deutschsprachigen Schweiz und aus Österreich angehören,
wurde im Herbst 2014 entschieden, ein Forschungsprojekt zu Gemeinwesenarbeit zu
beginnen. Ende 2023 konnte dieses Forschungsprojekt abgeschlossen werden. Die
Ergebnisse der Forschung „Gemeinwesenarbeit im deutschsprachigen Raum“ sind
seit Ende 2023 kostenfrei herunterladbar:
https://doi.org/10.58123/aliceopen-601
Der Schlussbericht enthält folgende Kapitel:
Genese des Forschungsprojekts
Methoden und Vorgehen
Ergebnisdarstellung und Diskussion
Zusammenfassung, Folgerungen und sich eröffnende Fragen
Wo findet Gemeinwesenarbeits-Praxis statt?
Ein Teilprojekt dieser Forschung ist der «Atlas der Gemeinwesenarbeit» Er zeigt
Standorte der Gemeinwesenarbeits-Praxis in Deutschland, Österreich und dem
deutschsprachigen Teil der Schweiz und ist über folgenden Link auf der Website der
OST einzusehen: Link zum Atlas der GWA
Abstract:
Der Abschlussbericht stellt die Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojekts zu
wesentlichen Rahmenbedingungen von Gemeinwesenarbeit (GWA) in Deutschland,
Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz dar. Der Bericht gibt
Auskunft über sechs mit dem Forschungsprojekt ausgeleuchtete
Verankerungsdimensionen von Gemeinwesenarbeit: Vorkommen, Ausrichtung,
Bezeichnungen, Träger, Ressortzuordnungen, Finanzierung.
Die sowohl qualitativ als auch quantitativ angelegte und in mehrere Teilprojekte
unterteilte Studie wandte sich an Praktiker*innen der Gemeinwesenarbeit als
Adressat*innen. Dabei wurde eine vergleichsweise weite Umschreibung von
Gemeinwesenarbeit zugrunde gelegt. Im Sinne einer „Forschung als Praxis“ wurde
als Teilprojekt ein digitaler Atlas der Gemeinwesenarbeit erstellt und publiziert.
Dieser frei zugängliche Atlas leistet einen Beitrag zur Erhöhung der Sichtbarkeit von
Gemeinwesenarbeit; zum Zeitpunkt der Berichtslegung umfasst er 500 Praxisorte der
Gemeinwesenarbeit.
Der Bericht legt das methodische Vorgehen und die empirischen Ergebnisse zu den
Rahmenbedingungen von Gemeinwesenarbeit differenziert dar. Besonderheiten des
Berichts liegen in der Offenlegung auch von Limitierungen und Engführungen im
Projektverlauf und in einer Fülle an Hinweisen auf weitergehende Forschungsfragen
und Handlungsbedarfe. Die mit diesem Forschungsbericht vorgelegten Ergebnisse
können dazu beitragen, die Beschreibung der Strukturbedingungen von GWA stärker
auf durch Forschung abgesicherte Daten zu stützen.
Mario Bunge (1919 – 2020)
In vielen Texten, die sich mit der Darstellung des
Systemtheoretischen Paradigmas Sozialer Arbeit
(SPSA) befassen, wird auf Mario Bunge verwiesen.
Und dies mit guten Gründen: Sein umfangreiches
Werk bildet seit mehreren Jahrzehnten eine fast
unerschöpfliche Quelle wissenschaftlichen Wissens,
welches uns Werner Obrecht zugänglich gemacht
hat. Bis heute nutzen viele Kolleginnen und Kollegen
in Lehre und Forschung Ergebnisse des präzisen
Denkens und umfassenden Wissens von Mario
Bunge. Basierend auf diesen Grundlagen war es
möglich, eine systematische
handlungswissenschaftliche Konzeption Sozialer
Arbeit, das SPSA, zu entwickeln. Auch für die
Weiterentwicklung werden wir u.a. auf sein Wissen
zurückgreifen können.
Mario Bunge ist in Buenos Aires, Argentinien, geboren, verliess aus politischen
Gründen in den sechziger Jahren Argentinien. Nach Aufenthalten in Deutschland und
in den USA lehrte er ab 1966 an der McGill University in Montréal, Kanada, daselbst
umgeben von einer anregenden akademisch-wissenschaftlichen Kultur (1973 wirkte
er als «visiting professor» an der ETH in Zürich). Erst nach weit
überdurchschnittlicher Dauer seiner Lehrtätigkeit, nämlich im Alter von 90 Jahren,
emeritierte er, publizierte jedoch unermüdlich weiter. Er verfolgte mit grossem
Interesse, weit über die Aufgaben seines Lehrstuhls hinaus, das gesellschaftliche
und politische Geschehen.
Am 24. Februar dieses Jahres ist Mario Bunge gestorben. Wir verlieren mit Mario
Bunge einen überragenden Wissenschafter und Autor, sowie einen bescheiden
gebliebenen, sensiblen und humorvollen Menschen.
Im April 2020, Kaspar Geiser, Heinrich Zwicky und Edi Martin
Die vertiefte Auseinandersetzung mit Methoden kann ganz schön
packend sein und viele Fragen aufwerfen. Was ist eine Methode?
Wozu braucht man Methoden – geht es nicht auch ohne?
Ein Berner names Manfred Moor
begab sich einst nach Labrador,
um der Entwicklungshilfe wegen
die Kunst des Käsens anzuregen.
Nun hatte dort von dieser Kunst
kein Eskimo den kleinsten Dunst,
denn schliesslich kommt in Labrador
die Kuhmilch überhautp nicht vor.
So hat denn Moor den weissen Saft
per Post aus Trub herbeigeschafft;
dies wiederum war kompliziert
und hat einfach nicht rentiert,
und Manfred Moor, der ständig fror,
verliess ernüchtert Labrador.
Er lebt zurzeit in Lützelflüh
und gibt sich eine Heidenmüh,
von Ursenbach bis Konolfingen
den Walfischfang in Gang zu bringen.
Quelle: Schmezer, Guido (2008) Ueli der Schreiber 1-3
Ein Berner namens... 130 Verse. Bern: Zytglogge Verlag
Was ist da los bei Manfred Moor? Er beherrscht offenbar die Methode
des Käsens - und später die Methode des Walfischfangs - woran
mangelt es denn?
Am 27. Oktober 2020 haben sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der Zürcher Gemeinschaftszentren im Rahmen ihrer ‘Fachgruppe
Quartierarbeit’ mit Methoden befasst. Edi Martin vom
Freien Institut TPSA hat einführend ein Referat gehalten
mit folgenden Inhalten:
Allgemeine normative Handlungstheorie bzw. Projektmethode
Transformation von Erklärungswissen in
Handlungswissen bzw. Handlungsregeln
Methoden – Systeme von Handlungsregeln auf eine Klasse von Zielen hin
Anschliessend haben die Teilnehmenden angeleitet von Edi Martin
mittels einer Checkliste zur Methodenanalyse und -evaluation einzelne
Methoden analysiert. Ausgangspunkt für diese Arbeit waren aktuelle
Fallbeispiele aus der Praxis der Teilnehmenden. Auf diese
Sachverhalte und damit zusammenhängende Ziele hin konnten die
analysierten Methoden auf ihre Eignung hin beurteilt werden.
Methoden analysieren - mit Corona-Abstand und Masken
Treffen des Freien Instituts TPSA in St. Gallen
Am 15. und 16. November 2019 fand das sechste Mitgliedertreffen in St. Gallen statt.
In einer längeren Austauschrunde berichteten die Teilnehmenden darüber, an welchen
Inhalten und Projekten sie derzeit arbeiten und welche Erfahrungen sie dabei machen
Werner Obrecht präsentierte Auszüge aus seinem Text zur Kritik am SPSA, in dem er
auf die Einwände von Westhofen (2012), Stövesand (Entwurf 2016) und Epple & Kersten
(2016) eingeht
Theresa Hutter und Sharon du Plessis-Schneider berichteten über ihren Workshop an
der Europäischen Konferenz der IFSW „Soziale Sicherheit und Menschenwürde“, die
vom 8.-11. Sept. 2019 in Wien stattfand und an der Beat Schmocker ein Keynote-Referat
über die „Zukunftsaussichten für die Soziale Arbeit“ gehalten hat
Intensiv wurde an der Konzeption eines Buchprojekts gearbeitet
Die Mitgliederversammlung wurde abgehalten.
Mitglieder bei der Arbeit an einem Buchprojekt
Rückblick
Tagung „Soziale Arbeit … denn sie wissen
(nicht) was sie tun?!
Theorie und Praxis wirksam verknüpfen“
30./31.10.2015
Theorie und Praxis Sozialer Arbeit stehen in einem
spannungsvollen Verhältnis zueinander. Nicht immer
wird offensichtlich, ob die fachliche Intervention
von Alltagswissen oder wissenschaftlichem Wissen
geleitet ist. Gleichzeitig sind Sozialarbeitende
oft in Verlegenheit, fachfremden Personen den ‚Kern‘
ihrer Profession zu erklären.
Diese Tagung lud zu einer Auseinandersetzung mit
dem Systemtheoretischen Paradigma Sozialer Arbeit
ein. Mit Vorträgen und Workshops zeigte sie, wie
eine handlungstheoretische Systematik die Bearbeitung
von Praxisproblemen unterstützen kann. Damit leistete
sie einen Beitrag zur Professionalisierung Sozialer Arbeit.
Anhand von Praxisbeispielen aus verschiedenen
Handlungsfeldern, insbesondere der Jugendarbeit,
Jugend- und Familienhilfe, Existenzsicherung und
dem Kinderschutz, gliederte sich die Tagung in einen
analytischen, bewertenden und methodischen Teil.
Dabei ging die Tagung in Workshops folgenden Fragen
nach: Wie lassen sich Situationen systematisch erfassen
und erklären? Auf welchen professionsethischen
Grundlagen lassen sich Probleme diagnostizieren und
bewerten? Wie können sie methodisch wirksam bearbeitet
werden?
An der Tagung nahmen 71 theorieinteressierte
Praktikerinnen und Praktiker, sowie Lehrende und
Studierende der Sozialen Arbeit teil. Die Kooperation
zwischen dem Institut für Jugendarbeit Gauting und dem
Freien Institut TPSA war äußerst gelungen. Dafür
bedanken wir uns besonders bei den insgesamt 24
Mitwirkenden der Vorträge und Workshops.